Blog - Themen zum Medizin- Sozial- und Arbeitsrecht

Schlagwort-Archiv: Textform

Wichtige Änderungen im Arbeitsrecht: Ausschlussfristen und Verzugspauschale

Seit kurzem gibt es im Arbeitsrecht zwei wichtige Änderungen:

  • Für die Gestaltung von Arbeitsverträgen hat sich eine sehr wichtige Änderung ergeben, was insbesondere die so genannten Ausschlussfristen betrifft: Danach müssen die Ansprüche aus dem Arbeitsvertrag innerhalb einer bestimmten Frist schriftlich geltend gemachten werden, damit sie nicht verfallen. “Schriftform” bedeutet dabei ein Stück Papier mit einer eigenhändigen Unterschrift, das Ganze dann auch noch im Original. Fotokopien, E-Mails, SMS oder WhatsApp Nachrichten reichten bislang nicht aus, um die Ausschlussfrist zu wahren. Diese Rechtslage hat sich nun zum 1. Oktober 2016 verändert: Bei Arbeitsverträgen, die nach diesem Datum abgeschlossen werden, kann die Ausschlussfrist auch dann gewahrt werden, wenn die Ansprüche lediglich per E-Mail, Telefax, SMS oder WhatsApp Nachricht geltend gemacht werden – es reicht die Textform. Das hat der Gesetzgeber nun in § 309 Nr. 13 BGB geregelt. Bei dem Abschluss von neuen Arbeitsverträgen ist also besondere Vorsicht geboten: Wenn die Ausschlussfrist nach wie vor noch die Schriftform vorsieht, ist die Klausel mit der Ausschlussfrist insgesamt unwirksam. Es gelten dann die allgemeinen Verjährungsvorschriften (in der Regel also drei Jahre). Von dieser neue Regelung sind hingegen nicht diejenigen Arbeitsverhältnisse betroffen, die bereits vor dem 1. Oktober 2016 abgeschlossen worden sind.

 

  • Seit dem 30. Juni 2016 kann ein Arbeitnehmer bei verspäteter Lohnzahlung eine Verzugspauschale in Höhe von 40 € fordern, wenn sein Arbeitgeber – was die Regel sein dürfte – kein Verbraucher, sondern Unternehmer ist. Vor dem 30. Juni 2016 konnte diese Verzugspauschale nur von Arbeitnehmer geltend gemacht werden, wenn ihr Arbeitsverhältnis nach dem 28. Juli 2014 geschlossen worden ist. Seit dem 1. Juli 2016 soll das nun für alle Arbeitsverhältnisse gelten, egal wann sie abgeschlossen wurden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Arbeitgeber zuvor in Verzug gesetzt worden ist. Das ist aber regelmäßig schon dann der Fall, wenn nach dem Arbeitsvertrag oder dem Tarifvertrag für die Lohnzahlung ein bestimmtes Datum genannt ist und der Lohn dann aber später eingeht. Aber Vorsicht: Es ist derzeit noch unklar, ob diese Regelung wirklich auch für Arbeitsverhältnisse gelten soll. Das Arbeitsgericht Düsseldorf hat das in einem Urteil vom 12. Mai 2016 (Az. 2 CA 5416/15) verneint. Die DGB Rechtsschutz GmbH hingegen empfiehlt, die Verzugspauschale auch im Rahmen von Arbeitsverhältnissen geltend zu machen. Es bleibt abzuwarten, wie die höheren Gerichte diese Frage entscheiden werden.